Man unterscheidet bei Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten zwischen so genanntem Tight Gas, das ist Erdgas, das sich in schwer durchlässigen Gesteinen angesammelt hat, sowie Schiefergas (shale gas) und Kohleflözgas (coal bed methane – CBM).
Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten unterscheidet sich in der Zusammensetzung nicht von konventionellem Erdgas. Die Bezeichnung „unkonventionell“ bezieht sich lediglich auf die Lagerstätte, in der das Gas gespeichert ist. Bei konventionellen Vorkommen ist das Erdgas in gut durchlässigen Gesteinen enthalten. Die Vorkommen können ohne spezielle Bohrtechniken erschlossen und genutzt werden. Im Gegensatz hierzu muss bei der Förderung von Gas aus unkonventionellen Lagerstätten erst das umliegende Gestein aufgebrochen (engl. fracturing bzw. frac(c)ing) oder stimuliert werden, damit das im Gestein gebundene Erdgas entweichen und durch das Bohrloch an die Oberfläche strömen kann. Aufgrund dieser speziellen Bohrtechniken war die Gewinnung von Gas aus solchen Lagerstätten lange Jahre unwirtschaftlich.
Durch die Kombination zweier existierender Technologien – horizontales Bohren und die so genannte hydraulische Behandlung (engl. hydraulic fracturing) – konnte sich die Förderung von Gas aus unkonventionellen Lagerstätten gegen Ende des 20. Jahrhunderts etablieren. In unserer interaktiven Animation erfahren Sie, wie unkonventionelles Gas gewonnen wird.
Das Potenzial dieser unkonventionellen Lagerstätten ist seit Jahrhunderten bekannt. Die ersten Bohrungen fanden bereits in den 1820er Jahren statt. Dennoch haben erst jüngste technologische Fortschritte die Erschließung dieser Ressourcen zu einer rentablen Option gemacht.
Die gegenwärtig nachgewiesenen Erdgasreserven reichen bei gleichbleibendem Verbrauch noch für etwa 60 Jahre. Rechnet man hier allerdings das Potenzial von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten hinzu, reichen die Reserven nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) noch für mehr als 250 Jahre. Zweifelsohne kann unkonventionelles Gas deswegen eine große Rolle dabei spielen, die Sicherheit der globalen Energieversorgung in den kommenden Jahren zu gewährleisten.
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Verglichen mit konventionellem Erdgas erstrecken sich die Vorkommen von Gas aus unkonventionellen Lagerstätten über weitaus größere Gebiete – teilweise hunderte oder sogar tausende Quadratkilometer. Allerdings ist es oftmals schwierig, innerhalb dieser Gebiete die optimalen Bereiche zu finden, wo das Gas kommerziell gewonnen werden kann.
In Europa werden die größten Lagerstätten von Tight Gas in der Ukraine und in Ungarn, von Schiefergas in Deutschland, Polen, Rumänien, Schweden, Dänemark, Großbritannien sowie Frankreich und von Kohleflözgas in der Ukraine und in Deutschland vermutet. Die Exploration und Gewinnung dieser Vorkommen befinden sich jedoch noch in einem frühen Stadium. Um festzustellen, ob tatsächlich kommerziell nutzbare Lagerstätten vorhanden sind und wo diese genau liegen, ist noch einige Arbeit notwendig.
In Europa finden derzeit einige Projekte statt, um die genauen Standorte der Vorkommen von unkonventionellem Gas aufzuzeichnen. Die Initiative zur Erforschung von Schiefergas (The Shale Gas Research Initiative), auch bekannt als GASH, ist ein europäisches interdisziplinäres Forschungsprojekt mit dem Ziel, eine Schwarzschiefer-Datenbank zu entwickeln. In Deutschland hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung das Projekt GeoEn gestartet, um die Forschung im Bereich Schiefergas zu fördern. Auch die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), die dem Bundeswirtschaftsministerium unterstellt ist, forscht zu dieser Thematik. Deutschland ist eines der wenigen Länder in Europa, wo bereits Explorationsprojekte im Gange sind.